Insolvenztourismus nach dem wirtschaftlichen Tod!

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Besprechung der Insolvenzänderungen im Bundestag in September!
Insolvenztourismus nach dem wirtschaftlichen Tod!
von Anne Koark
Unternhemensinsolvenzen Deutschland Anne Koark Insolvenz und Insolvent und trotzdem Erfolg

Das Bundesjustizministerium will in September einen Entwurf für ein neues Insolvenzrecht vorlegen. Dieses beinhaltet u.a. folgende Punkte:

Circa 8 Prozent aller Haushalte Deutschlands gelten als insolvent. Täglich fallen private Unternehmer in dieser Sparte. Der Rückstau der Leute, die Insolvenz nicht anmelden können, da sie bei den staatlichen Schuldnerstellen keinen Termin aufgrund der Wartezeiten von bis zu 18 Monaten bekommen, ist enorm. Und nun soll selbst der wirtschaftliche Tod unbezahlbar werden.

Wieder nimmt der Staat einen Vorrangstatus. Erst bekommt der Staat die Gerichtsgebühren und danach kann man überlegen, was die Gläubiger bekommen können. Dabei schmerzen die circa 70 Millionen Euro Gerichtsgebühren jährlich, weil die öffentlichen Haushalte immer knapper werden. Warum? Weil es der Wirtschaft nicht gut geht! Mit weniger Firmen und weniger Jobs können eben weniger Steuergelder bezahlt werden. Bei den geplanten Neuregelungen sollen nun die Schuldner unten gehalten werden, in der Annahme sie hätten mit Absicht Gläubiger schädigen wollen. Wo ist das Prinzip der Unschuld bis bewiesen ist, dass man schuldig ist? Natürlich sollen kriminelle Schuldner aus dem Weg geräumt werden. Bedeutet dies aber, dass diejenigen, die bis zum letzten gekämpft haben, und es nicht geschafft haben, nie wieder auf die Füße kommen sollen. Und wie bitte sollen sie dann Geld für die Gläubiger erwirtschaften können, gleichzeitig die viel bekundete Verantwortung für ihre spätere Rente übernehmen und dem Staat nicht zu Last fallen. Was bedeutet die Verlängerung des Entschuldungsverfahrens für den Geldkreislauf? Wenn die Menschen nie Geld haben, werden sie nämlich nie Geld ausgeben und dies wird der Wirtschaft einen erheblichen Schaden zufügen. Uns gehen dann die Kunden aus! Zudem werden die Leute spätestens im Alter dem Staat zu Last fallen, weil sie keine Vorsorgen treffen konnten. Und dies alles wird aus dem öffentlichen Haushalt gestemmt werden müssen.

Während in anderen Ländern die Entschuldungszeiten verkürzt werden, so beispielsweise Frankreich, in dem eine Insolvenz bis zu 18 Monaten dauert, oder England, die vor kurzem die Entschuldungszeit auf 1 Jahr reduziert hat, will Deutschland die Entschuldungszeit auf 8 Jahre verlängern. Damit boomt eine neue Branche – Insolvenztourismus!!!!! Mit dem üblichen Stigma können wir natürlich dieses so bewerten, dass die Schuldner sich ihrer Pflichten entziehen. Oder wir können verstehen, dass ein Mensch dem Staat nicht zu Last fallen will, sondern weiterarbeiten und auch überleben, was zu allerletzt auch im Sinne der Gläubiger ist. Nach einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn verdienen Restarter, d.h. Gründer nach einer erlebten Insolvenz, mit ihren neuen Unternehmen und Selbständigkeiten 11 – 18 % mehr als Erstgründer! Nur schade, dass die meisten dieser Neustarts im Ausland stattfinden werden, weil man in Deutschland es übersehen hat, einen internationalen Vergleich der Handhabungen stattfinden zu lassen. Somit gehen uns die Gewinne der Neuunternehmen und deren arbeitsplatzschaffenden Maßnahmen alle verloren. Nicht genug – die Existenzgründungen in Deutschland werden natürlich auch parallel zurückgehen, da die innovativen Menschen vor Angst vor den möglichen Folgen eines Scheiterns gar nicht erst hier gründen wollen. Es lebe Walt Disney, der mit seinem Restart Mickey Maus zum Welterfolg machte und Bill Gates, der sagte: „Es ist in Ordnung, den Erfolg zu feiern, aber es ist viel wichtiger, auf die Lektionen des Scheiterns zu hören. Und es lebe der innovative Unternehmer, der trotz allen Widrigkeiten Arbeitsplätze durch Innovation schafft! Nur hoffen wir, dass diese Änderungen nicht dazu führen werden, dass er seine wirtschaftliche Heimat in anderen Ländern suchen wird, in dem das Bild des Unternehmers bei weitem viel besser ist und in dem man zum Leichenkeller des Unternehmertums nicht durch das Scheitern gehören muss, sondern bei einer nicht kriminellen Insolvenz eine zweite Chance bekommt, die leider derzeit in Deutschland nicht abzusehen ist.